Oberlichtwagen K 427 aus: PK André Marks 09.02.2013
Bereits in den 1880er Jahren experimentierten die K.Sächs.Sts.E.B. auf
ihren schmalspurigen Sekundärbahnen mit verschiedenen
vierachsigen Personenwagen. In den 1890er Jahren setzte sich ein Typ
mit durchgehendem Oberlichtdachaufbau und Zwillingsfenstern
durch. Doch die 20 zwischen 1891 und 1896 gebauten Fahrzeuge
dieser Art (als BCC unter der lfd. Nr. 717 und als CC unter der lfd. Nr.
726 geführt) wiesen die von den zweiachsigen Wagen dieser Zeit
bekannte Breite von lediglich 1,99 m auf. Kurz vor der
Jahrhundertwende stimmte die Generaldirektion der K.Sächs.Sts.E.B.
dann dem Bau eines zwei Zentimeter kürzeren, aber dafür fast 20
Zentimeter breiteren vierachsigen Wagens 2. und 3. Klasse zu. Von
diesen Fahrzeugen der Gattung BCC (im Fahrzeugverzeichnis unter der
lfd. Nr. 716 geführt) entstanden von 1898 bis 1901 in den Eigenen
Werkstätten der K.Sächs.Sts.E.B. in Leipzig und Chemnitz insgesamt 79
Exemplare. Die über Puffer 10,60 m langen und über
Schienenoberkante 3074 mm hohen Vierachser hatten einen
Drehzapfenabstand von 7,10 m, der Achsstand im Drehgestell betrug
1,30 m. Das kleinere 2.-Klasse-Abteil bot acht oder neun Sitzplätze
(abhängig vom Vorhandensein eines Ofens), das größere 3.-Klasse-
Abteil ohne Ofen 21 – mit Ofen und ab 1908 teilweise nachgerüstetem
Abort hingegen 18 Sitze. Dank ihrer Stückzahl waren derartige Wagen
auf sehr vielen, wenn nicht im Laufe ihres Einsatzzeitraumes sogar auf
fast allen sächsischen Schmalspurbahnen anzutreffen. Um der hohen
Nachfrage der Reisenden nach Plätzen der 3. Klasse gerecht zu
werden, ließ die Generaldirektion von 1910 bis 1914 bei 71 der 79
Wagen die Sitze der 2. Klasse durch Bänke 3. Klasse ersetzen. Für die
auf diese Weise zu Fahrzeugen der Gattung CC umgebauten Wagen
legten die das rollende Material verwaltenden Beamten im
Bestandsverzeichnis die lfd. Nr. 715 an. Die Wagennummern blieben
nach diesen Veränderungen bis 1927 unberührt – die 79
„Oberlichtwagen“ belegten die Gruppen von 261K bis 265K sowie 271K
bis 344K. In den 1920er Jahren kam es zu weiteren Änderungen bei der
Bestuhlung und Klassenzuweisung der Wagen. So wurden 1922 z. B. 51
Wagen der 3. Klasse in die 4. Klasse herabgestuft, bei anderen Wagen
ließ die RBD Dresden in dieser Zeit ein Traglastenabteil einrichten oder
im kleineren Abteil alle Sitzbänke entfernen. Bei der Vergabe neuer
Betriebsnummern erhielten die 1927 noch im Bestand befindlichen 78
Wagen deshalb heterogene Betriebsnummern: die 20 reinen 3.-Klasse-
Wagen „Dresden K424“ bis K442 und K446, die vier Wagen 3./4. Klasse
K701 bis K704 sowie die 54 reinen 4.-Klasse-Wagen K1245 bis K1298.
Durch Verkäufe an andere Bahnverwaltungen, Ausmusterungen oder
Abgaben für den Einsatz in östlichen Direktionen bzw. im Raum Kiew
reduzierte sich der Bestand an einst unter der lfd. Nr. 716 geführten
Wagen bis 1945 um knapp 30 Wagen.
Nachdem 1945/46 fast alle Kreis- und Kleinbahnen auf dem Gebiet der
Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) in Volkseigentum überführt
worden waren, baten die damals auch für den Betrieb der
Schmalspurbahnen in der Prignitz, um Pasewalk und im Raum Berlin
zuständigen Landesbahnen Brandenburg (LBB) bei der RBD Dresden
leihweise um Lokomotiven und Wagen. Die nun von SED-Mitgliedern
geführte und von sowjetischen Offizieren überwachte Direktion kam
diesem Hilfsgesuch nach und forderte die Dienststellen zwischen
Zittau und Wilkau-Haßlau auf, für diesen Zweck Fahrzeuge zu
benennen und 1948/49 bereitzustellen. Vor Ort legten die
Wagenmeister fest, vor allem ältere und vom Zustand her schlechte
Fahrzeuge abzugeben. Dabei handelte es sich häufig um vierachsige
Oberlichtwagen … Nachdem die Deutsche Reichsbahn 1949/50 die
Betriebsführung aller auf dem Gebiet der SBZ/DDR befindlichen
Schmalspurbahnen mit Reiseverkehr übernommen hatte, kam es
zwischen 1950 und 1954 zu weiteren Abgaben sächsischer Fahrzeuge
in nördlichere Direktionen, z. B. nach Bergen und Putbus auf Rügen,
aber auch nach Burg (b Magdeburg).
Damit waren Mitte der 1950er Jahre auf DDR-Gebiet in Summe 15 aus
Sachsen stammende Oberlichtwagen außerhalb der RBD Dresden im
Einsatz. Nach Stilllegung der Netze Pasewalk, Dahme, Nauen und Burg
(b Magdeburg) kam es zu bereits erwähnten Umsetzungen – meist
nach Bergen und Putbus. Der Einsatz von Oberlichtwagen außerhalb
Sachsens endete im September 1978 auf der Insel Rügen mit der
Ausmusterung von 970-202, der zu diesem Zeitpunkt allerdings
mehrere Umbauten hinter sich hatte. Wie 970-203 und 970-211 (ex
Dahme), 970-764, 970-773 und 970-774 auf Rügen; 970-802 und 970-
813 im Burger Netz sowie 970-856 in der Prignitz war auch 970-202 in
seinen letzten Einsatzjahren auf Rügen ohne Oberlichtaufsatz
unterwegs. 970-774 hatte nicht nur ein flachgewölbtes Dach, sondern
auch eine völlig neue Fensteraufteilung erhalten, wodurch er nur noch
an seinem Fahrwerk als ehemaliger Oberlichtwagen zu erkennen war.
Oberlichtwagen nach 1945 in Sachsen
Ende der 1940er bis Anfang der 1950er Jahre strich die RBD Dresden
mehr als 20 sächsische Reisezugwagen mit Oberlicht-Dachaufsatz aus
ihrem Bestand. 13 weitere gab sie wie berichtet an andere Direktionen
ab. 1958 erhielten in Sachsen nur noch elf (nicht wie im Wagenbuch
von SSB-Medien Band 1 angegeben nur zehn) im regulären
Reisezugdienst genutzte Oberlichtwagen eine neue Betriebsnummer:
970-301 bis 970-309 sowie 970-315 und 970-316. Unter den Nummern
970-310 bis -312 führte die Rbd Dresden ihre drei noch vorhandenen
Aussichtswagen, die Anfang der 1930er Jahre aus Wagen der lfd. Nr.
715 entstanden waren. Als 970-313 und 970-314 waren ehemalige
ZOJE-Wagen der lfd. Nr. 727 eingereiht.
Ein weiterer einst unter der lfd. Nr. 716 geführter Oberlichtwagen
befand sich als Bahndienstwagen 979-003 im Bestand. Die letzten
regulären Einsätze von vierachsigen Oberlichtwagen in Sachsen gab es
im Mügelner Netz, wo 970-301 und 970-303 im Jahr 1968
ausgemustert wurden. Als Reservewagen befand sich zu diesem
Zeitpunkt außerdem noch 970-316 im Cranzahler Bestand. 1971 wurde
er ebenfalls ausgemustert, blieb aber wie die zwei zwischenzeitlich zu
Bahndienstwagen umgezeichneten Schwesterfahrzeuge 979-014 (ex
970-302) und 979-024 (ex 970-309) erhalten. Diese drei Wagen brachte
die Reichsbahn später zur Traditionsbahn Radebeul, 979-003 gelangte
nach Rittersgrün.
Unser Wagen K 427 nach einem
Artikel von André Marks PK 18.02.2014
Auf dem Gelände der Museumsbahn Schönheide befindet sich seit
Dezember 2013 der Kasten eines einst vierachsigen sächsischen
Sitzwagens mit Oberlicht. Er steht auf dem Untergestell des GGw 97-
14-83 an der Bürstenfabrik in Stützengrün und ist mit einer Plane
abgehangen. Dabei handelt es sich um den in Privateigentum
befindlichen 970-201. Was ist zu diesem Wagen bekannt? Gebaut
wurde er im Jahr 1900 in den Eigenen Werkstätten der K.Sächs.Sts.E.B.
in Chemnitz oder Leipzig. Seine erste Betriebsnummer lautete 333K,
als 3.-Klasse-Wagen führte ihn die Generaldirektion innerhalb der lfd.
Nr. 715. 1927 erhielt er die DRG-Nummer „Dresden K427“, 1938 die
DRB-Nummer 427 Dre. Im Juli 1948 vermietete ihn die RBD Dresden an
die Landesbahnen Brandenburg, die ihn im Netz Nauen auf den noch
vorhandenen Gleisen der ehemaligen RSN einsetzte. Dort ging er 1949
in das Eigentum der RBD Berlin über, ab 1950 lautete seine
Betriebsnummer 7.0427, ab 1958 dann 970-201. Nach der
Betriebseinstellung im Netz Nauen gelangte der Wagen per 22. Juli
1961 in die Rbd Greifswald zum Netz Putbus, wo ihn die Reichsbahn
am 7. Juli 1970 ausmusterte. Im Januar 1971 erwarb eine Privatperson
den Kasten des Wagens und holte ihn nach Marlow. Von diesem
Grundstück barg 30 Jahre später Ludger Guttwein den Aufbau und ließ
ihn in eine seiner Hallen in Prora bringen. Per 1. November 2013
erfolgte der Verkauf des Wagenkastens an einen sächsischen
Eisenbahnfreund, der sowohl Mitglied der Museumsbahn Schönheide
e.V. als auch des FHWE ist. In Zuge der Beräumung in Stützengrün
sollte auch dieser Wagen verschrottet werden. Eine Anfrage bei der
Schwarzbachbahn stieß auf Interesse, da während der Betriebszeit bis
1951 immer auch Wagen dieser Klasse auf der KH-Linie im Einsatz
waren.
Foto: Aaron Saalmann
Wagen 290K auf einer
historischen Aufnahme mit
Zuglaufschild Kohlmühle vor
1936, da in diesem Jahr der
Bahnhof in Goßdorf-
Kohlmühle umbenannt
wurde
unten der abgestellte Wagen
in Stützengrün
Am 9. Juni 2026 traf der Wagenkasten mit einem PRESS-Tieflader in
Lohsdorf ein und wurde neben dem Güterboden abgestellt. Nach
Fertigstellung der K 373 und anderer vordringlicher Projekte ist der
Wiederaufbau des Wagens geplant.